Von Karaoke-Räuschen, Valentinstag und weinenden Volleyballerinnen

Die ganze Woche nix geschrieben – es hat sich aber auch geballt!

Am Mittwoch war Feiertag. Mal wieder. Also am Dienstag Abend beschlossen, dass dies eine der letzten guten Gelegenheiten ist, die alte Gruppe mit wenigen Neuzugängen zum Karaoke zusammen zu bringen: Also Erik, Rod, Clarice, Kei, Emi, Marilia, Toru (Rod’s Roomate) ab zum Karaoke. Drei Stunden – Riesenspaß. Erkenntnis: Je weniger Du Deine Lieblingssongs singst, um so mehr Spaß macht’s! Highlight war im Übrigen Harry Belafonte “Banana Boat” und Gloria Gaynor “I will survive” (mit meinen Kommentaren, dass sie u.U. NICHT überleben wird).

Anschließend noch in “Morris’ Pub” – japanischer Pub englischer Style. Zwei Mädels, die ich kannte (bzw. eines und ihre mir nicht bekannte, 18jährige Schwester) getroffen, die da gerade rauskamen – beide wieder in den Fahrstuhl gedrückt, und noch ne Stunde weitergetratscht. Erkenntis hierbei: Hast Du zwei angesoffene Japaner dabei (Kei und Toru), die auch noch recht schnell japanisch sprechen, musst Du irgendwann die Segel streichen… naja…

Freitag: Kei ist Korea-freak! Er hat ein Korea-Restaurant gefunden – wir alle hin. Außer den Üblichen noch Yuuji, Paul (Dutchie, Clarice’s boy – ich fange an, ihn zu mögen, auch wenn er jung ist) und Satoko (sie war mit in Yanagawa). Yuuji hatte mich eigentlich gefragt, als ich Badminton spielen war, ob wir was machen, da er vielleicht nächste Woche nicht kann. Wir dann halt alle zusammen. Und wir haben ihm gesagt, dass er heute Abend nicht “Yuuji-sensei” (= Yuuji-Lehrer) sondern Yuuji-kun (kun für casual san), denn eigentlich hat er Vorgaben von der Schule, weder sich, noch Schüler, noch die Schule in Verruf zu bringen. Ich betrachte ihn sowieso mittlerweile mehr als einen Freund als als Lehrer; er ist ja auch erst 24! Yaki-niku (Grill) mit haufenweise Knoblauch. Gestunken wie… Und ordentlich gesoffen. Ich glaube, wir waren schon blau, als wir im 12 da raus sind – und kurzerhand beschlossen, noch mal Karaoke zu gehen. Dementsprechend war’s dann… einer der besten Nächte hier! Und die bisher einzige Nacht, in der ich wirklich nach Hause gewackelt bin… ordentlich angeschickert! Dass ich morgens um sechs noch fähig war, mit Yukie zu chatten, halte ich für ein Wunder. Dafür war der Samstag weniger gut – habe den Rest dann im Onsen und der Sauna rausgeschwitzt – zusammen mit Kei und Erik. Werde Onsen wohl vermissen!

Sonntag: Am Donnerstag habe ich statt Badminton mit Volleyball-girl Haru, meiner 12jährigen Protegée wieder gespielt. Sie hat erzählt, dass sie am Sonntag ein großes Turnier hätte. Ich solle doch bitte kommen. Sie spricht zumindest ein bisschen jetzt, hat bisschen Vertrauen gewonnen, wenn auch noch immer sehr schüchtern. Aber sie hat Spaß, lacht… und obwohl ich sie durch die halbe Halle gescheucht hat, war ich am Ende müder als sie… naja… oji-san desu (vielleicht kriegs einer raus, was das heißt).

Am Samstag rief ihr Vater an, ob ich den Zeit hätte zum Lunch am Sonntag – seine Frau würde was mit in Halle bringen. Klar, gerne.

Ich also um 9.30 in die Halle. Riesenteil. 34 Teams, weiß nicht genau, welche Kategorie das war. Aber anhand der Menge der Mädels und anhand der wirklich guten Mädels würde ich fast sagen, das war Fukuoka-Präfektur, wenn nicht Kyushu-Chamionship.

Yuuiji, ihr Vater, empfängt mich hocherfreut, führt mich zum Platz, wo die ganzen Familien des Teams sind. Manche drehen sich um, nicken… ich bin der einzige gaigokujin (Ausländer) dort – man fällt mal wieder auf. Haru macht sich warm, jeweils drei Trainer, knallhart, manchmal sogar streng. Erst später sieht sie, dass ich da oben sitze, ich winke, sie lächelt verlegen.

Das erste Spiel wird glatt gewonnen, und vor allem auch wirklich ansehliches Volleyball, für 11 und 12-jährige richtig gut. Sie spielt diagonal, linke Hand, die größte im Team (und fast sogar in der Halle).

Anschließend kommt sie nach oben, begrüßt mich verlegen… die anderen Mädels schauen… sie geht schüchtern zurück zu den anderen, die, als sie sich unter sie mischt, lachen… ich lache auch!

Das zweite Spiel geht gegen den späteren Turniersieger, Viertelfinale: Sehr starke Feldverteidigung, der Rest läuft über die Diagonalangreiferin, die in meinen Augen aber richtig gut war. Geht klar verloren, ein paar excellente Dinger waren trotzdem dabei. Irgendwas muss Haru doch vom Dachdecker (die Insider wissen, wer das ist) gelernt haben, denn da waren zwei dabei, die keine Blockdeckung der Welt mehr aufhebt. :-D

Naja, glatt verloren. Sie kommt nach einiger Zeit nach oben. Ihre Mutter steht auf, nickt ihr zu, steht hinter mir (hat irgendwas in der Hand). Haru zögert und bricht urplötzlich in Tränen aus! Was machst mit ner 12-jährigen, die Rotz und Wasser heult. Hätte sie eigentlich gern in den Arm genommen, wusste aber nicht, ob das jetzt angemessen ist. Also halt bisschen an der Schulter und über den Kopf gestreichelt… was macht man da? Mittendrin fiel mir ein, dass ich ja ein kleines Geschenk für die gekauft hatte. Ich schnell gekruschtelt, gebe ihr das, sie will es nicht annehmen, schüttelt den Kopf… erst nach drei Mal: “Doch, nimm!” nimmt sie es.

Dann halt erst mal Mittagessen… sie beruhigt sich langsam… nach dem Essen dann kommt der Vater mit einer großen Tüte. Gibt sie ihr… und sie überreicht sie mir! Gestern war Valentinstag, an dem Frauen ihren Freunden und Männern meist Schokolade schenken. Sie schenkt mir Schokolade, und von ihren Eltern bekomme ich eine Hakata ningioo (guckst Du hier). Die Dinger sind sauteuer… ich kann das fast nicht annehmen! Anschließend noch Fotos und Bilder fürs Familienalbum. Ich weiß gar nicht, was ich mit denen gemacht habe, habe doch nur mit ihr bisschen Volleyball gespielt.

Aha, Schokolade… hab mir erst wenig dabei gedacht, erst die Verpackung macht mich auf Valentinstag aufmerksam. Erik hat später gemeint: “Vielleicht schwärmt sie ja für den großen, westlichen Volleyball-sensei und brach deswegen in Tränen aus…” Ich hoffe ja nicht!

Naja, war aber sehr beeindruckend. Es zeigt sich trotzdem deutlich die japanische Mentalität: Die Mannschaft ist der Star. Auch wenn einzelne deutlich besser waren als andere, es war nie der Anschein, dass es um einzelne ging. Richtige Mannschaftssportart.

Interessant auch die Rollenverteilungen der Zuschauer: Das ganze war ein Familienfest. Die Väter haben (wie wir schon so oft bemkert haben) nicht viel gemacht: Die meisten haben gefilmt oder fotographiert. Wenn sie was wollten, haben sie der Frau gerufen, die es dann gebracht hat (Kaffee, Essen, etc.). Auch Haru wurde vom Vater aufgefordert, mir Kaffee zu bringen. Von meinem kulturellen Hintergrund fühlt man sich hier irgendwie nicht recht wohl.

Lustig auch: Bisher habe ich Kinder wahrgenommen, dass sie Respekt vor den Eltern haben. Heute aber war deren Tag: Sie haben die Eltern geschickt: “Ich hab Hunger, ich will dies, ich will das…” und meist ist dann jemand gegangen. Hatte wirklich den Eindruck: Heute ist ein besonderer Tag für die Mädels, da dürfen sie “befehlen”. Kann mich aber auch täuschen…

Naja, hat auf jeden Fall Spaß gemacht.

Am Anfang hat es sich sogar noch nach was angehört…

Louis Armstrong lebt!

Und die Sieben Zwerge auch!

Am Ende war’s dann nicht mehr so…

Das war dann am Freitag! Drei Viertel vom PaoPao hat er vergessen, oder es lag am Bier!

~ von Ben am 15 Februar 2009.

4 Antworten to “Von Karaoke-Räuschen, Valentinstag und weinenden Volleyballerinnen”

  1. oji-san = Opa

    hi ben
    schön, dass du dich aufgerappelt hast zum schreiben.
    fliegen heute nach osaka
    bis dann
    gruss wolfgang

  2. Schöner Bericht! :-)

    Sehen uns ja schon bald.

    Mach’s gut!

  3. Haben wir was gesagt, daß Du nichts mehr schreibst? Da muß ich ja ne Nachtschicht einlegen um das alles zu lesen und anzugucken. Gell, wie mans macht ist nicht richtig. Pap muß auch noch den 2. Teil lesen, auf einmal hat ers auch nicht geschafft.
    Zeih dich warm an am Sonntag, ist SAUkalt bei uns!!

  4. Oji-san desu = alter Knacker

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