Kaltes Essen…
Es schneit seit gestern… bleibt sogar was liegen… und es ist reichlich kalt, was mich ein bisschen über das japanische Heizsystem philiosphieren lässt – denn ganz verstanden hab ich’s nicht.
Es ist teilweise so kalt in den Häusern, dass man den Atem sehen kann (so heute morgen als ich ins Bad kam – sich darin ganz nackend zu machen ist aber richtig kalt, vor allem wenn man vor fünf Minuten noch im körperwarmen Bett war!). Der Hauptraum ist meist mit dem Petrolium- oder Gasofen gewärmt, manchmal gibts den Aircon, der aber die Luft saumäpßg austrocknet. Bei mir im Zimmer betätige ich mich ab und zu wie ein Saunangestellter, der die Luft durchwirbelt, denn oben ist es warm, und an den Füßen ist es sehr kalt – mit der Hand spürbar, wenn man nach unten fasst. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass drei viertel der Wärme sowieso schnurstracks durch die Wände maschiert, so isoliert wie die hier sind. Warum gibt man sich in Deutschland so viel Mühe, Energie zu sparen und Isolationshäuser zu bauen, wenn es hier rausgepulvert wird. Erik hat mir erzählt, er hat gar keine Heizung in seinem Zimmer, und den Ofen, den er bekommen hat, richtig derart nach Gas…
Es ist aber trotzdem manchmal sehr angenehm, wenn man Energie verschwendet: So z.B. wenn man sich auf die herrlich vorgeheizte Klobrille setzt… braucht man nicht, aber sehr, sehr angenehm… so… eigentlich wollte ich ja was anderes loswerden!
Ich wollte so was eigentlich bereits über Yusawa schreiben, dachte sogar ich hätte, habe aber nicht. Daher nun der Anlass, denn das gleiche, was ich mit Yukie in Yusawa beim “Frech Dinner” erlebt habe, kam heute wieder…
Frage Nr. 2 nach dem “Woher?” ist eigentlich fast immer: ” wie schmecht Dir japanisches Essen?”. Kaum jemand, dem man vorgestellt wird oder kennen lernt, fragt das nicht! Es gibt unendlich wissenschaftliche, pseudowissenschaftliche und gar nicht wissenschaftliche Bücher und Artikel über Geschmack und kultureller Geschmack, und ich werde weniges tun, dieses aufzugreifen, warum bevorzugt man heimsches Essen usw. – - aber ein paar Gedanken hab ich doch.
Das meiste hier schmeckt mir ehrlich. Heute Abend Okonyomiyaki (gucksch hier), beim Kuru-Kuru-Sushi (Laufband-Sushi, das in Japan umgangssprachlich so genannt wird, weil es kullu-kullu macht) sind wir Stammgäste, Nabe ist im Winter auch gut (gucksch diesmal hier) usw. usw. Dann gibt’s aber auch Natto (hier – gucksch das Bild – so schmeckts!) und Umeboshi (ein letztes Mal gucksch hier). Aber dieses Problem hab ich mit Kapern zu Hause auch… also nicht unbedingt außergewöhnlich, dass man etwas nicht mag.
Nun, erzählt man aber einem Japaner, dass man Natto nicht mag, freut er sich! In Situationen wie diesen merkt man etwas, was ich oft gelesen habe, selten geglaubt habe, aber unheimlich spannend finde: Es besteht für viele Japaner, und vor allem diese, die NICHT mal länger im Ausland gelebt haben und wenig Englisch sprechen – also mehrheitlich zu Hause sind – ein Bedürfnis, sich selbst verorten zu müssen als einzigartig, als Japaner; sich bestätigen zu lassen, dass ihre japanische Identität nur für sie als Japaner besteht und ein Fremder diese nicht verstehen kann. Zu aller erst passiert dies über die Sprache, die die meisten Fremden nicht sprechen können. Kann es einer, so wie wir ansatzweise, wird es über das Essen versucht. Verneint man, dass man das meiste Essen sehr, sehr gut findet, kommen sie mit den Kanji-Schriftzeichen, bei denen die meisten Westler die Segel streichen. Da wir alle Kanji-Krüppel sind, habe ich bisher noch nie Schritt vier erfahren dürfen. Was mag das sein?? Fahrrad-fahren???
Dieses Identiätsdenken, vor allem als Nationalidentiät kehrt sich bei mir mittlerweile tatsächlich um: Theoretisch bewusst macht es Spaß, zu erkennen, dass es praktisch tatsächlich so ist: Ich rede, seit dem ich hier bin, immer mehr davon, wie es “in Europa” sei statt “wie in Deutschland”, weil Europa tatsächlich mehr gemeinsam hat als den gleichen Kontinent.
Wieder zum Essen: Sushi soll man langsam essen und genießen – hat man mir immer wieder in Deutschland gesagt. Hier am Kuru-Kuru-Sushi hauen die sich die Teller nur so rein. In Yusawa beim französischen Dinner mit Yukie’s Eltern war es ähnlich: Ein Gang nach dem anderen, hoppla-hopp. Von französischen Essen wenig, denn die essen bei fünf Gängen vier Stunden, dort gingen 13 Gänge in 2 Stunden. Ich war heute auf einer Dormitory-Party zum Mittagessen eingeladen. Runtergehauen, gleich darauf Tee, dann Kaffee und Kuchen. Was immer Gemütlichkeit ist, ich empfand wenig. Auch damals in Yusawa – so schön das war, gemütlich war’s nicht. Ich ziehe die Art und Weise vor, stundenlang am Tisch zu sitzen… Das gemeinsame Beginnen gibt’s hier auch nicht: Vor allem Männer fangen an, wann sie wollen. Beim Frühstück warte ich, bis meine Landlady auch sitzt, sie mich aber schon drei Mal aufgefordert hat, zu essen. Wenn ich mal noch kurz an den Kühlschrank muss, fängt sie schon an… lustig.
Wie auch immer, in vielen Restaurants wird Essen reingehauen, gezahlt, gegangen. Dass man länger sitzt wie wir ist unüblich. Letzte Woche mit Kei Essen. Fertig, gegessen, getrunken, “Hai, ikimashio ka! – Let’s go!” Ich denke, er hat’s nicht gemerkt, aber alle vier anderen – Kanada, Norwegen, Brasilien (Erik hat ne Love – seit heute; musste ihm oft beistehen, bis er den Mut hatte… heute hat’s geklappt – halb Japanerin, halb Brasilianierin, das nur nebenbei – siehe unten) und ich – war das bisschen zu schnell, denn die Isakaya war sehr angenehm.
Sie haben gutes Essen, sie haben ein Auge für Ästethik beim Essen, sie haben unheimlichen Einfallsreichtum bei Essen – Reis einfach nur als Reis zu essen wäre ja langweilig; es gibt Reiscracker, Reiskuchen, Reissuppe, was weiß ich noch, sie basteln alles aus allem irgendwas, und probieren damit rum, bis was essebares rauskommt, was auch noch gut schmeckt. Was sie nicht haben, ist eine gewissen Gelassenheit beim Essen, eine gesunde Langsamkeit… Schade eigentlich!
Anbei noch paar Bilder der letzten Tage, die nicht all zu viel mit Essen zu tun haben, aber doch unterhaltsam ist.
- Okonomiyaki letzte Woche… Marillia, neu in der Gemeinde!
- Selbstauslöser nach dem Onsen letzte Woche – mehr Tatami als Menschen, hat aber was!
- Wir waren mal wieder Karaoke singen…
- Ich-mich-übergeb-auf-Dich-Kanada von Halloween ist übrigens wieder da (3.v.l)
- You’re the one that I want
- Rod mit den Kostümen zum Karaoke-singen
- und blöd gemacht!
- Und mal wieder in der Pink-Bar gelandet
- Rod, Marillia, Erik










He Ben ist das “Frech Dinner” was Neues, welches wir in Deutschland noch nicht kennen oder ein Schreibfehler?
Das mit dem schnellen Essen hat folgende Gründe. Es gibt Studenten und Arbeitende. Der Arbeitende hat wenig Zeit, der Student dagegen viel. HAHA. Das schnelle Essen ist in Japan normal. Ist für uns Badner ein Unding. Es gibt aber auch in Japan Kneipen/Wirtschaften in denen gemütlich gegessen wird. Am 17.02 sind wir in Osaka und gehen gemütlich Kushikatsu essen. Man könnte sich ja treffen.
Die Links zu bestimmten Gerichten, eine tolle Sache. Das Natto erinnert an den Wochenrückblick des Magens nach zuviel Alkohol. Vielleicht mögen es daher manche Japaner nicht so arg.
Was macht die Quizauflösung eigentlich? Wirds noch?
Gruss Wolfgang